Design

Im November 2011 haben Maik Brendemühl, Maren Tomke Julius, Hermann Paulenz, Enrico Rosenkranz und Frank Wolf ein 3000m² großes Gartenstück auf der Grenze zwischen Pinneberg und Prisdorf gepachtet. Der Garten verfügte von Anfang an über 50 produktive Obst- und Nußbäume sowie Beerensträucher. Wurde aber nach intensiver Nutzung mehrere Jahre nicht bewirtschaftet. Im November 2011 haben wir dort erstmal noch etwa 1/2 Tonne Äpfel geerntet. Es hat sich seitdem eingebürgert dort jedes Jahr Äpfel zu ernten.

Auf dem Grundstück steht eine Laube, ein 70-Quadratmeter Folientunnel, ein Gewächshaus, ein Werkzeughäuschen und ein Verschlag, den wir mittlerweile zu einer Komposttoilette umgebaut haben. Seit Sommer 2012 stehen im Garten Bienenvölker, mittlerweile sind es 8 Völker, die wunderbaren Honig produzieren. Ebenso bauen wir bereits seit einigen Jahren Gemüse – darunter auch mehrjährige Sorten an.

Gartenansicht.

Gartenansicht. So sieht einer der Gartenzugänge aus.

Wir haben in die Gartengestaltung auch permakulturelle Prinzipien einfließen lassen.

Grundplanung.

Die wichtigsten drei Aspekte werden durch die folgenden drei Fragen abgedeckt.

1) Woher kommt das Wasser?
2) Ist das Grundstück begehbar?
3) Gibt es feste, nicht-verrückbare Installationen?

Zu 1) Woher kommt das Wasser? Das Wasser kommt vom Himmel. Zur Regenwassersammlung stehen uns drei 1000-Liter-Tanks und Regentonnen zur Verfügung. Im sonnenbeschienen Teil hat das Grundstück eine Neigung. Diese wollen wir nutzen: dazu haben wir eine Bodensenken  gegraben, sodass Wasser vom Brunnen bzw. vom Dach aus eine Bodensenke entlang fließen kann und so in den hinteren Teile des Gartens gelangen kann. Um die Bewässerung noch weiter zu vereinfachen sollen ein Teich und mehrere kleinere Tümpfel anlegt werden. Um die Wasserspeicherfähigkeit zu erhöhen werden wir Humus durch Kompostierung erzeugen und damit im Frühjahr 2012 den Boden aufbauen. Ein Boden mit guter Wasserspeicherfähigkeit kann im Vergleich zu sinnvollen Wassersammelstellen und Behältnissen ein vielfaches an Wasser speichern und ist besonders für Trockenperioden – die auch in Deutschland stattfinden – von zentraler Bedeutung. Als weitere Maßnahmen mulchen wir meist im späten Frühjahr, um die Verdunstungsrate des Bodens zu verhindern. Warum erst im späten Frühjahr und dünn? Damit die Sonne zunächst den Boden erwärmen kann, damit das Bodenleben in Gang kommen kann. Warum nun der Aufwand? Nun, gerade Bewässerung ist in Gärten ein nicht unwesentlicher Zeit- und Kostenfaktor. Hat man einmal seinen Garten richtig gestaltet, bleiben einem anschließend viele Kosten und Arbeiten erspart.

2) Ist das Grundstück begehbar?
Das war es zu Anfang nicht. Um dies zu ändern haben wir die gepflasterte Wege von Überwucherungen befreit und dornige Pflanzen oder Äste auf Gesichtshöhe im Garten weggeschnitten.

Zu 3) Gibt es feste, nicht-verrückbare Installationen?

Die Laube, das Gewächshaus, den Werkzeugbereich und den Verschlag. Das ist einfach so hinzunehmen und daran die weitere Planung zu orientieren.

Zonenplanung.

Zone 0 ist die Laube, die uns als Zentrum für menschliche Begegnungen dienen wird. Von ihr geht die weitere Planung aus. Wir haben sie temporär mit einer Gasheizung und durch Aufräumen wohnlich gemacht. Die Gasheizung werden wir im noch duch einen selbstgebauten Lehmofen und/oder Rocket-Stove ersetzen. Material für den Rocket-Stove haben wir bereits. Im Verlaufe des Frühjahres 2012 werden wir vom reichlich im Boden verhandenen Lehm etwas ausgraben, um damit dann einen Ofen zu bauen. Einen Schornsteinfeger, der uns den Bau abnehmen würde haben wir vielleicht schon gefunden… Von der Laube ausgehend werden die Positionen aller weiteren Gestaltungselemente so geplant, dass die, die am häufigsten aufgesucht werden am nahesten an der Laube liegen. Entsprechend der Entfernung werden die Zonen nummeriert. Im Jargon der Permakultur nennt man dieses Vorgehen auch Zonenplanung. In Zone 1 kommt z.B. der Anzuchtbereich hin, die am häufigsten benötigten Werkzeuge, eine Werkbank, ein Koch- und Sitzbereich und das Kräuterbeet (vermutlich eine Kräuterspirale) sowie die intensiv bewirtschafteten Gemüse- und Kartoffelbeete. Voraussichtlich werden wir Mischkulturen anlegen, um potentielle Erkrankungen einzelner Pflanzenarten zu minimieren. In Zone 2 befinden sich die meisten Obstbäume und der Bereich, in dem sich potentiell die Hühner aufhalten werden. Als Zone 5 bezeichnet man einen Wildnis-Bereich, in dem man nicht gestalterisch arbeitet. Er sollte in keinem Garten völlig fehlen, außer man hat wirklich nur sehr wenig Platz. In der Zone 5 können sich kleinere Tiere und Insekten verkriechen, die dazu beitragen, dass ökologische Gleichgewichte zwischen Populationen (im Wesentlichen Insekten) aufrecht erhalten, um das Risiko von Plagen zu vermindern. Diese Bereiche sollen mit Altholzstapel und sog. Insektenhotels Rückzugsraum bieten.

Sektorplanung.

Um endgültig festzustellen welche Elemente wo ihren besten Platz finden eigent sich eine Sektorplanung. Dazu wird geschaut wo eventueller Wind herkommt, wo es also potentiell etwas kälter oder wärmer wird, wo Sichten sind die man erhalten bzw. verdecken möchte und – ganz wichtig – wo die Sonne scheint und wo nicht. Dies spielt insbesondere für die Auswahl und Positionierung von Pflanzen und Bäumen eine wichtige Rolle. Wind spielt bei uns keine Rolle, da das gesamt Grundstück von Bäumen umgeben ist. An der weiteren Verdeckung einzelner Sichten arbeiten wir bereits. Den Blick auf den Gemüsegarten von der Laube aus haben wir durch entfernen einzlener immergrüner Bäume ermöglich. Der sonnenbeschienenste Platz soll dem Anbau von Mais und Kartoffeln dienen.

Kompostierung.

Wir werden mehrere Intensivkompostbereiche (Schnellkompost) für intensives kompostieren einrichten und zudem extensiv auf den Anbauflächen kompostieren mit Hilfe durch Mulch- und Kompostauftragung.
Wir wollen sehen, ob wir die Wärme, die beim Schnellkompostieren frei wird als Wärmequelle (z.B. für Wasser) verwenden können. Bei einem richtigen Stickstoff-Kohlenstoff-Verhältnis (circa 1:25-35) werden Komposte sehr heiß: 55-65 Grad Celsius. Legt man nun einen Schlauch um einen Komposthaufen herum und lasst Wasser hindurchlaufen, müsste es sich entsprechend erwärmen. Falls es klappt, werde ich genaueres berichten.
Für die Intensivkomposte haben wir bereits eine große Menge Material auf dem Grundstück als Kohlenstoffquelle gesammelt. Als Stickstoff-Quelle werden wir Pferdemist nehmen, den wir von einem nahegelegenen Pferdehof bekommen. Als Ausgleich für den Transport werden wir echte Äpfel für die Pferde anbieten.

Äpfel.

Unsere Apfelhaine.

Aktuelle Arbeiten.

Wir experimentieren mit ausgefallenen Obstbaumsorten, die wir im Folientunnel ziehen sowie mit mehrjährigen Gemüsesorten. Außerdem Imkern wir, pflegen den Obstbestand und lassen es uns sonst gut gehen – bevorzugt mit selbstangebautem Essen und Getränken.

Für jeden der auch so ein Projekt starten mag: die Pacht von Gärten ist wesentlich günstiger als man meinen mag. Wer Hilfe bei der Gestaltung braucht, kann mich gerne kontaktieren. Gegen eine angemessene Aufwandsentschädigung helfe ich gerne ein passendes Nutzgartenkonzept entwickeln und umsetzen.

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